Ausstellungen

Blumengger Skulpturenpark 2026
Georg Loewit: Protagonisten

Seit vielen Jahren verwandelt der Blumenegger Skulpturenpark die Villa Falkenhorst und ihren weitläufigen Park in einen Ort intensiver Begegnung von Kunst, Natur und Gesellschaft. Namhafte Bildhauer:innen wie Josef Lang, Tone Fink, Herbert Albrecht, Uta Belina Wäger, Mario Dalpra oder Josef Pillhofer haben hier ihre Spuren hinterlassen. Über die Jahre hat sich die Sommerausstellung zu einem kulturellen Fixpunkt und gesellschaftlichen Treffpunkt in der Region entwickelt – stets mit dem Anspruch, das Besondere zu zeigen und den Park jedes Jahr in neuer Einzigartigkeit erlebbar zu machen.

Im Sommer 2026 wird Georg Loewit mit seiner Werkserie „Protagonisten“ zu Gast in Falkenhorst sein – einer künstlerischen Auseinandersetzung mit der Ambivalenz von Individuum und Typus, von Nähe und Distanz, Sichtbarkeit und Anonymität.
Die Protagonisten – Menschenbilder unserer Zeit

In Georg Loewits plastischen Arbeiten wird der Mensch in seiner alltäglichen Umgebung zum „ersten Handelnden“. Seine Skulpturen zeigen keine Helden, sondern Passant:innen, Reisende, Betrachtende – Menschen im Fluss ihrer Bewegungen. Grundlage sind Fotografien, die der Künstler auf Reisen aufgenommen hat: Momentaufnahmen menschlicher Interaktion, verdichtet zu zeitlosen Typen.
Charakteristisch ist Loewits Entscheidung, seine Figuren von hinten zu zeigen. Die Rückenansicht – das, was sich dem Blick entzieht – wird zur eigentlichen Schauseite. Die Rückseite, realistisch und detailgenau modelliert, entwickelt sich über eine abstrahierte Seitenansicht hin zu einer vollkommen glatten Vorderseite – einer Schnittfläche, die keine physiognomische Identität mehr preisgibt, sondern eine Projektionsfläche für die Wahrnehmung des Publikums bildet.
In dieser Reduktion, in der Spannung zwischen Körperhaftigkeit und Leerstelle, entsteht ein Raum der Reflexion: über den Einzelnen in der Masse, über Anonymität, über die Rolle des Menschen in einer zunehmend standardisierten, medialisierten Welt.
Auch in seinen Malereien (Acryl, Pigmente, Primal auf Leinwand) bleibt der Mensch die Hauptfigur. Extreme Lichtverhältnisse, scharfe Schatten und klare Kompositionen verdichten alltägliche Szenen zu visuellen Protokollen gesellschaftlicher Dynamik. Architektur und Umgebung sind weitgehend ausgeblendet; monochrome Flächen lenken den Blick auf Bewegung, Haltung und Zwischenräume. Die Schatten übernehmen die Rolle der „Schnittfläche“ der Skulpturen: Sie definieren die Figur neu und eröffnen symbolische Räume zwischen Abbild und Bedeutung.

Die Ambivalenz von Individuum und Typus
Wie der Kunst- und Kulturphilosoph Bernhard Braun schreibt, fügt sich Loewit mit seiner Werkreihe Protagonisten in eine lange Tradition der Porträtkunst ein – von der idealisierten Typendarstellung der Antike bis zur physiognomischen Individualität der Renaissance. Doch Loewit kehrt die Sehgewohnheiten um: Er zeigt die Rückseite, das Verborgene, und fragt, ob ein Porträt auch ohne Gesicht auskommen kann.
Seine Skulpturen verweigern den klassischen Anspruch der Allansichtigkeit und führen die Betrachtenden an eine Grenze der Wahrnehmung: Wo der Blick ins Leere fällt, entsteht Raum für Interpretation. Loewits Arbeiten sind damit zugleich soziologische Studien und ästhetische Experimente, in denen das Verhältnis von Mensch, Masse und Macht befragt wird – fein beobachtet, ohne moralische Geste, aber mit präziser Sensibilität für die Fragilität unserer Gegenwart.

Der Künstler
Georg Loewit, geboren 1959 in Innsbruck, wuchs in Innsbruck, Wien und New York auf.
Er studierte Holz- und Steinbildhauerei in Innsbruck, anschließend Gold- und Silberschmiedekunst sowie Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München und Kunstpädagogik am Mozarteum Salzburg.
Loewit war langjährig in der Tiroler Künstlerschaft aktiv und prägte als Mitbegründer des Künstlerhauses Büchsenhausen und als Gründungskurator der RLB-Kunstbrücke Innsbruck das kulturelle Profil Tirols wesentlich mit. Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen; über 150 Ausstellungen im In- und Ausland zeugen von seiner künstlerischen Präsenz.
Er lebt und arbeitet in Innsbruck.
 

Öffnungszeiten
Die Ausstellung wird am 21. Juni um 11.00 Uhr eröffnet und ist bis 30. August 2026 jeweils bei Veranstaltungen in der Villa Falkenhorst und jederzeit nach Vereinbarung geöffnet. Künstlergespräche und Führungen sind auf Anfrage möglich.